Konzeption zum Erhalt und künftigen Nutzung
der Kirche von Hermersdorf


1. Einleitung
2. Aus der Geschichte
3. Zustandsbeschreibung
4. Die zukünftige Nutzung der Kirche
5. Sanierung und bauliche Veränderungen
6. Ausblick


1. Einleitung
Einleitung

Die Redewendung "Die Kirche im Dorf lassen" stellt für uns ein Leitmotiv dar. Neben dem direkten Anliegen, dieses historische Bauwerk vor dem Verfall zu bewahren, bedeutet diese Metapher aber auch, dass bei allen Planungen die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit gewahrt bleiben muss. Zu klären wäre dabei, wo die Bedürfnisse der Bewohner des Dorfes und der Kirchengemeinde für eine künftige Nutzung der Kirche liegen.

Es stellte sich uns die Frage, wie wichtig diese Kirche für das Dorf und seine Bewohner ist. Daraufhin fanden sich zu Beginn des Jahres 2001 eine Gruppe von interessierten Bürgern zu einer Initiativgruppe zusammen, in der auch Mitglieder der Ev. Kirchengemeinde mitarbei-teten. Am 5. Juli des selbigen Jahres kam es zur Gründung des Fördervereins Dorf und Kirche Hermersdorf e.V..
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Als Mitglieder des Fördervereins wollen wir uns gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Müncheberger Land für den Erhalt
und eine zukünftige Nutzung der Kirche einsetzen.
Wir wollen die Kirche im besten Sinne des Wortes wieder mit Leben füllen. Sie ist ein Teil der Identität des Dorfes. Hier soll wieder ein Ort der Begegnungen für alle Dorfbewohner und Gäste entstehen.
Wie eine solche "Wiederbelebung" aussehen könnte, wird im folgenden dargestellt.

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Die Dorfkirche von Hermersdorf ist Zeugin der über siebenhundert-jährigen Geschichte des Ortes. Sie war über die Jahrhunderte hinweg neben dem geographischen auch der geistliche Mittelpunkt des Ortes. Geblieben ist ein Baudenkmal von historischem Wert, ebenso die zentrale Lage.
Die rein kirchliche Nutzung ist seit Jahren rückläufig.

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In ihrer ursprünglichen Bestimmung als Sakralbau geriet die Kirche immer mehr in ein Schattendasein. Die Evangelische Kirchengemeinde Müncheberger Land hat in Hermersdorf sehr wenig Mitglieder. Bis Mitte 2006 wird sie für Ihre Veranstaltungen noch die Gemeinde-
räume im ehemaligen Pfarrhaus nutzen können.

Da sie nicht in der Lage ist, beide Gebäude auf Dauer zu erhalten, wurde das Pfarrhaus 2005 verkauft. Inzwischen sind gravierende Verfallserscheinungen an der Bausubstanz der Kirche deutlich erkennbar. Schäden am Dach und deren Folgen haben in letzter Zeit dramatisch zugenommen.

Dazu liegt eine vom Berliner Architekturbüro STUHLEMMER + STUHLEMMER erstellte Schadensermittlung mit einer Auflistung der erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen vor. Im Zeitraum Dezember 2004 bis Juli 2005 konnte mit der Teilsanierung des Turmes ein erster Bauabschnitt umgesetzt werden.


2. Aus der Geschichte der Kirche

Um 1230 Bau der Kirche von Hermersdorf

Um 1400 Aufstellung eines Marienaltars mit geschnitzten Figuren:
Maria, Anna, Petrus und Barbara, der Schutzpatronin des Dorfes. Erhalten geblieben sind die Figuren des hl. Petrus und der hl. Anna Selbdritt.

1613 Neubau eines Kirchturmes nach Abriss des Alten. Guss und Aufhängung der jetzigen Glocke (Die größte Glocke musste 1836 wegen eines Sprunges entfernt werden, zwei kleine Glocken zerschmolzen beim Brand 1945).

1625 Neue Innenausstattung der Kirche.

1682 Bau der alten Kirchhofsmauer

1705 Renovierung der Kirche.

1735 Erhöhung des Turmes durch einen 15 m hohen Holzaufbau

1744 Einbau einer Kirchturmuhr
(stand von 1830 - 1945 still)

1836/37 Völliger Umbau der Kirche: Abriss des Holzaufbaues von 1735. Bau eines flachen Daches. Flügelaltar kam in das Müncheber-
ger Museum. Rundbogenfenster und Balkendecke sowie Kanzel über dem Altar.

1870 Einbau von zwei Seitenemporen

1871 Erste Orgel in Hermersdorf

1945 (Mitte April) Kirche durch Artillerie in Brand geschossen

1952/54 Wiederaufbau der Hermersdorfer Kirche Errichten einer kleinen Orgelempore; Chor mit Altar und Kanzel wieder wie vor 1837. Altar mit drei Bildern des Berliner Künstlers Herrler. Wände mit Ausmalung von Petrusbildern durch den Kunstmaler Grunemann in Frankfurt (Oder).
Holz wurde von den Hermersdorfern gestiftet.
Einweihung am 31. Oktober 1954

3. Zustandsbeschreibung

Der bauliche Zustand
Im Anhang befindet sich eine, vom Berliner Architekturbüro Stuhlemmer +Stuhlemmer für die Bausubstanz der Kirche erstellte, ausführliche Schadensermittlung vom Juli 2001.

Die Innenausstattung

Turm
Der Hauptzugang in die Kirche führt durch den Turm, der sich an den Westgiebel des Kirchenschiffes anfügt. Tritt man durch den zwei-
flügligen spitzbogenförmigen Haupteingang, gelangt man zunächst in dem im Turm befindlichen Vorraum.
Seine Grundfläche beträgt ca. 4 x 4 m. Darüber befinden sich In Abständen von ca. 5 m insgesamt drei, über eine Treppe begehbare, Etagen. Über der ersten Etage, also auf ca. halber Höhe des Turmes, hängt die einzige, noch verbliebene Glocke der Kirche.
Sie wiegt 303,5 kg.
1620 wurde sie von Christian Heinze in Spandau gegossen und vom damaligen Patron Christian Pfuel gestiftet. Neben diesen Informationen trägt sie außerdem die Inschrift:
"An Gottes Segen ist alles gelegen".

Hauptschiff
Durch eine zweiflügelige Bogentür gelangt man in das Hauptschiff der mittelalterlichen Kirche, deren Grundmaß 9 x 13 m beträgt.
Hier befinden sich insgesamt 19 Bänke (Länge jeweils 3,3 m), die in zwei Reihen aufgestellt sind. Die Bänke sind in einem guten Zustand. Zum großen Teil kann das auch von der Empore gesagt werden, nur ihr Fußboden ist teilweise reparaturbedürftig.
Das Hauptschiff wird durch vier vierarmige aus Holz und Hanfseilen gefertigte Lampen erleuchtet.

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Kirchenschiff und Empore vom Altar aus gesehen, rechts vorn die Kanzel Die Kirche erhält Licht durch insgesamt acht bleiverglaste Bogenfenster, deren Höhe ca. 4 m und Breite 1,25 m betragen.Zwei davon befinden sich im Altarraum.
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Bleiverglaste Fenster erfüllen die Kirche mit Farbe und Licht

Altarraum
Die Beleuchtung besteht lediglich aus zwei an den Seitenwänden befindlichen Wandleuchtern. Der Altarraum ist wesentlich kleiner (ca. 7,5 x 5,7 m), er wird durch einen, bis fast
an das hölzerne Tonnengewölbe heranreichenden, Triumphbogen vom Hauptschiff optisch getrennt.
Im Übergang zum Altarraum befindet sich linkerhand die aus Holz gefertigte Kanzel, ihr Zustand ist gut. Das Taufbecken besteht aus einem 90 cm hohen Unterbau aus schräg versetzten Backsteinen. Den Abschluss bildet ein Holzring zum Halten der Taufschale. Diese wird anderwärtig verwahrt.

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Der Altar besteht aus einem relativ großen Tisch (Massivholz, ca. 3 cm Dicke und 1,0 x 2,2 m in der Fläche), der auf einem gemauerten Sockel ruht. Letzterer ist verputzt, geweißt und hat die Maße 1m x 0,9 m x 1,9 m (H x B x L).
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Statt des verbrannten Flügelaltars, hat der Berliner Künstler HERRLER um 1953 ein dreiflügeliges Altarbild auf Linoleum geschaffen.
Auf ursprünglich goldenem Untergrund werden die Kreuzigung, die Geburt und die Taufe Jesu dargestellt. Die Maße des Bildes sind: Gesamthöhe einschließlich der Konsole 1,85 m; Breite 2,25 m. Auf dem Altar befinden sich ein schlichtes Holzkreuz, 75 cm hoch und zwei ebenfalls aus Holz gearbeitete Kerzenständer, 55 cm in der Höhe.

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4. Die zukünftige Nutzung der Kirche

Der Förderverein "Dorf und Kirche Hermersdorf e.V." sieht seine Aufgabe darin, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Kirche als bauhistorisch wertvolles und den Ortskern prägendes Gebäude zu wecken. Darüber hinaus möchte er gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde dem Gebäude wieder eine größere geistige Bedeutung zukommen lassen.
Neben dem ureigenem Interesse der Ev. Kirchengemeinde, dieses Haus als einen religiösen Ort der Verkündigung zu verstehen, sollen hier auch Möglichkeiten geschaffen werden, andere, der Kommunikation und des geistigen Austausches dienende Veranstaltungen, durchführen zu können.

In Hermersdorf leben zur Zeit etwa 300 Menschen. Die kommunale Grundausstattung für die Entwicklung eines vielfältigen dörflichen Gemeinschaftslebens ist sehr beschränkt. Den Dorfbewohnern steht neben ein begrenzt nutzbarer Versammlungsraum im Gebäude der freiwilligen Feuerwehr ein weiterer Raum im 2005 entstandenen Begegnungstreff "Haltepunkt Alte Schule" zur Verfügung.


Für eine erweiterte Nutzung würden folgende Argumente sprechen:
- Die Ev. Kirchengemeinde hat das ehemalige Pfarrhauses aus ökonomischen Gründen aufgegeben und plant sämtliche Veranstaltungen zukünftig in der Kirche durchzuführen. Dazu gibt es einen Beschluss des Gemeindekirchenrates (GKR).

- In der Kirche sollen durch die unter Abschnitt 5 genannten Veränderungen Räumlichkeiten entstehen, die für Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft oder bestimmter Gruppen einen würdigen Rahmen bieten können, der sonst im Ort nicht vorhanden ist. Der Ortsbeirat Hermersdorf unterstützt deshalb die Initiativen zur Wiedernutzung der Kirche.

- Die Therapieeinrichtung "Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V." ist Mitglied des Fördervereins. Ihr Geschäftsführer bekundete die Absicht, die Kirche sowohl für Veranstaltungen der Baptistengemeinde, als auch für Freizeit- und Kulturangebote ihrer Bewohner nutzten zu wollen.

- Hermersdorf ist in landschaftlich reizvoller Umgebung im Naturpark "Märkische Schweiz" gelegen. Durch das Dorf führt der Europawanderweg E11 und der Ort wird tangiert durch den Europaradweg R1 (über Obersdorf/ Münchehofe) Eine zeitweilige öffnung der Kirche fñr Veranstaltungen und Ausstellungen, würden die touristische Attraktivität des Dorfes erhöhen.

Die Dorfkirche von Hermersdorf soll künftig durch folgende Nutzungen und Veranstaltungen mit neuem Leben erfüllt werden:
- Gottesdienste und andere Veranstaltungen der Ev. Kirchengemeinde
Veranstaltungen des "Eichendorfer Mühle Brandenburg e.V."
- Darstellungen der Ortsgeschichte (z.B. Ausstellungen oder Vorträge, konkrete Angebote liegen vor)
- Lesungen
- Konzerte unterschiedlichster Art, Gesangsabende
- Angebote für Kinder
- Veranstaltungen für Senioren, wie z B. Erzählkreis, Altennachmittage etc.
- "Kino in der Kirche"
- Ausstellungen, Vorträge, Führungen mit Bezug zum Naturpark und dem Schutz von Natur und Landschaftsbild
- Beteiligung am Programm "Offene Kirche"
- Tanzfeste



5. Sanierung und bauliche Veränderungen

grundriss

Grundriss der Kirche Hermersdorf ( Zeichnung verändert nach Stuhlemmer Dipl. Ing. Architekten)


Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten kann der zweite Schritt mit der Umsetzung von Baumaßnahmen beginnen, die dem zukünftigen Nutzungsanspruch gerecht werden.
Zu den wesentlichen Grundvoraussetzungen für eine kontinuierliche, ganzjährige Nutzung der Kirche gehören sanitäre Einrichtungen und ein beheizbarer Raum.
Nach Abwägung der vorhandenen Möglichkeiten erscheinen uns die im folgenden beschriebenen Veränderungen am sinnvollsten.

Das Hauptschiff mit Altarraum

Die sehr weit verbreitete Variante einer Verglasung des oberen Emporenbereiches, zur Schaffung eines eigenständigen und beheizbaren Raumes, wurde erwogen.

Ein großer Nachteil bei dieser Nutzungsart ist, dass der Raum nur über eine Treppe erreichbar, und somit nicht behindertengerecht, wäre. Auch was seine Größe und Gesamtausstrahlung beträfe, überzeugt uns diese Möglichkeit nicht.

Viel geeigneter erscheint uns deshalb der Altarraum.
In vielfacher Weise ist der Altarraum nach unserem Ermessen ein besonderer Ort.
Aus historischer Sicht ist er möglicherweise die "Keimzelle", der ursprünglichste Teil dieser Kirche. Aus theologisch-geistlicher Sicht erfährt er ebenfalls eine hervorgehobene Bedeutung.
Aus dieser Wertigkeit heraus und in Hinblick auf Proportionen und Lage stellt er für uns den am geeignetsten Raum dar.

Unmittelbar vor dem Bogen, zwischen Hauptschiff und Altarraum könnte eine Stahl/Glas Abtrennung errichtet werden. Diese sollte so konstruiert sein, dass sie bei Inanspruchnahme der gesamten Kirche weitestgehenöffnet werden kann, ansonsten aber den Altarraum zu einem funktionell unabhängigen Raum werden ließe.
Der aus dunkelbraunen, glasierten Klinkern bestehende, Fußboden sollte durch eine mehr Wärme ausstrahlende Alternative (Terrakotta, Dielung etc.) ersetzt werden.

Die Raumgestaltung müsste natürlich im Einklang mit der Gesamt- gestaltung der Kirche stehen. Ein Raum in überschaubarer Größe, zu ebener Erde, separat beheizbar, und mit einer besonderen Ausstrahlung würde entstehen. Er könnte als Winterkirche für die Kirchengemeinde dienen und darüber hinaus als Ort für kleinere Veranstaltungen, wie etwa Versammlungen, Lesungen oder für kleine Konzerte zur Verfügung stehen.

Sanitäre Einrichtungen und Teeküche

Dazu gibt es verschiedene überlegungen zum Standort:
- im Raum unterhalb der Empore
- im Turm
- außerhalb der Kirche

Der Turm
Die momentan auf der ersten Etage hängende Glocke soll auf die Ebene der Schalllöcher verbracht werden. Mit der damit verbesser- ten akustischen Ausstrahlung wird sie eine Aufwertung ihrer Bedeu- tung erfahren. Die beiden Räume auf der ersten und zweiten Etage könnten so hergerichtet werden, dass sie multifunktional, etwa für kleinere Ausstellungen oder Besprechungen, genutzt werden können.



6. Ausblick

Möge diese Kirche wieder lebendige Mitte des Ortes werden, belebt durch viele Hermersdorfer und ihre Gäste.
Wir wollen sie mit Leben und guten Geist füllen.
Ein weiter Raum liegt vor uns.
Für jeden Einzelnen.
Die geöffnete Eingangstür der Kirche lädt uns dorthin ein.

ausblick
Stand August 2005